My life in a nutshell Teil 1

My life in a nutshell
Teil 1


Meine ersten Lebensjahre bis zur Pubertät


Ich wurde 1992 in einer kleinen Stadt in Niedersachsen geboren.
Meine ersten 5 Lebensjahre verbrachte ich gemeinsam mit meiner Mutter in einer Ein - Zimmer - Wohnung.
Ich habe noch eine Halbschwester, diese lebte damals allerdings bei unseren Großeltern.
Wir hatten wirklich nicht viel, meine Mutter versuchte mir dennoch eine schöne Kindheit zu bescheren.
Leider packte sie mich dabei in Watte, um mich von "der großen bösen Welt" fernzuhalten.
Damit meinte sie es sicherlich nur gut, nur leider war das rückblickend betrachtet, der falsche Weg.
Mit 6 Jahren, pünktlich zu meiner Einschulung, zogen wir in einen anderen Stadtteil und endlich in eine größere Wohnung.
Dieser Stadtteil, vor allem unsere Straße, war grad im Umbruch und sollte sich eigentlich zum positiven verändern.
Tatsächlich sieht man davon bis heute gar nichts.
Als Kind freute ich mich wahnsinnig doll auf die Schule. Meine Mutter hatte ja vorher schon das kleine 1x1, ein wenig schreiben und lesen mit mir geübt und das hatte mir riesigen Spaß bereitet.
Ich freute mich also auf das "groß werden" und endlich neue Kinder kennenlernen.
Leider sollte meine Freude nicht lange anhalten.


Ich wurde eingeschult und bekam direkt die ersten Probleme.
Ich war ein schwieriges Kind, auffällig, störte mich und andere im Unterricht.
Leider war ich gleichzeitig aber auch total schüchtern, weshalb es mir schwer fiel, mit anderen Kindern Kontakt zu knüpfen.
Hierzu sei gesagt, dass ich bis dato auch hauptsächlich unter Erwachsenen aufgewachsen war.
Viele gleichaltrige Kontakte, hatte ich auch vorher außerhalb des Kindergartens schon nicht gehabt.
Des Weiteren brachte man mir bei, dass Gewalt scheiße sei, was auch beinhaltete, dass man sich nicht wehren dürfte. Dass das schnell zu den ersten Problemen führte, kann man sich ja denken.


Den Frust, den ich durch die vielen Probleme mit anderen Kindern entwickelte, ließ ich natürlich irgendwann Zuhause raus. 
Meine immer noch alleinerziehende Mutter, war bald überfordert und es kam auch Zuhause zu immer mehr Problemen.
Ich kam bald in einen Hort für Schwererziehbare, aus welchem ich jedoch entlassen wurde, da ich scheinbar nicht schwererziehbar genug war.
Die Probleme in und außerhalb der Schule häuften sich und wir hatten immer öfter mit dem Jugendamt zutun.

In dieser Zeit lernte meine Mutter auch einen neuen Mann kennen. Ich war grade 10. Ich gönnte es ihr und war glücklich endlich einen vermeintlichen Vaterersatz in unserer Wohnung zu haben.
Wie sehr wir das noch bereuen würden, sollte sich erst noch zeigen.

Um das Ganze jetzt mal abzukürzen: der Mann war Alkoholiker, ich kam in die Pubertät und hatte immer mehr Probleme und auch der letzte Faden an Vertrauen meiner Mutter gegenüber riss ab.


Der Beginn meiner Pubertät

Ich wurde 13, fing an zu rauchen, haute das erste Mal nachts durch mein Fenster ab und übernachtete heimlich bei einer Freundin aus der Nachbarschaft.
Es gab nur noch Stress Zuhause und in der Schule, ich wurde immer ungezogener, tanzte meiner Mutter auf der Nase rum.
Und dann passierte etwas, dass mich noch mehr prägen sollte: ein mir sehr nahestehender Mensch, wurde Opfer einer Gewalttat - und mir wurde die Schuld dafür gegeben.
Ich fiel in ein tiefes Loch und erfuhr zum ersten Mal von einer Strategie, meinen Schmerz zum Ausdruck zu bringen: ich fing an mich zu ritzen.
Die ersten Wunden waren noch mehr als lachhaft und kaum sichtbar aber ich fand schnell heraus, wie ich mit dem Ganzen noch weiter kommen konnte.
Tatsächlich sollte sich daraus meine aller erste Sucht entwickeln. Die Sucht nach Selbstverletzung. Egal wann, egal wo. Auch ohne offensichtlichen Grund, musste ich es eine Zeitlang täglich tun, um mich irgendwie bei Laune zu halten.
Mittlerweile trank ich auch zum ersten Mal Alkohol und im Jahr darauf, kam ich auch zum ersten Mal mit illegalen Substanzen in Kontakt und startete damit direkt voll durch.


Um auch hier das Ganze noch einmal abzukürzen: 
Die darauffolgenden Jahre waren geprägt von immer mehr Konsum, nachts ausreissen und tagelang wegbleiben, Heim- und Zwangseinweisung in die Kinder - und Jugendpsychiatrie, sowie diverse Jugendarreste, viel Gewalt und mehr Glück als Verstand.
Bereits mit 14 jobbte ich das erste Mal in einer Bar, umgeben von erwachsenen, zwielichtigen Gestalten, die dort ihre Kokspartys feierten.
Natürlich begann ich auch selbst zu feiern - mit viel zu "Erwachsenen" Menschen.
Kokspartys in Hotelzimmern der nächstgrößeren Stadt, waren keine Seltenheit.
Bis ich irgendwann elektronische Musik für mich entdeckte und anfing ständig nach Holland zu reisen, nur um irgendwelche überteuerten Festivals zu besuchen.
Ich entdeckte immer öfter neue Substanzen für mich und fuhr quer durch Deutschland und Holland, nur um doch nie an ein Ziel zu kommen.



Ich zog das erste Mal von Zuhause aus, um nach kurzer Zeit wieder zurück zu kehren.
Mit 19 hatte ich jedoch endlich die Gelegenheit, mein Elternhaus komplett zu verlassen und diese nutzte ich auch.


Meine jungen Erwachsenen Jahre (19 - 21)


Ich zog mit dem Vorsatz von Zuhause aus, dass in der neuen Stadt, in welche ich ja schon solange wollte, alles besser werden würde.
Stattdessen stürzte ich mich mitten ins Verderben.
Die Schule hatte ich bereits einige Jahre zuvor schon abgebrochen, also saß ich ohne Abschluss und ohne Geld, in meinem kleinen 1 - Zimmer - Appartement. 
Es war eine Art Betreutes Wohnen für Jugendliche, welche nicht mehr im Elternhaus bleiben konnten, aus diversen Gründen.
Das Konzept war gut, jedoch waren die zuständigen Menschen dort, größtenteils einfach unfähig und mit einem jungen, aufmüpfigen Mädel, wie mir, einfach überfordert.
Nach nicht mal sechs Monaten, bekam ich also die Kündigung - und das Dilemma nahm seinen Lauf.


Da ich damals vom Amt lebte und unter 25 war, war es schier unmöglich eine bezahlbare Wohnung zu finden. Der Mietregelsatz für ALG II Empfänger unter 25, betrug damals 185€ (!!!) KALT.
Ich wohnte also fortan mal hier, mal da. Oft bei Bekannten, Leuten aus der neuen Clique oder in Inobhutnahmestellen des Jobcenters.
Ich versuchte es zwar auch immer mal wieder mit einem Job oder einer Maßnahme, um meinen Abschluss nachzuholen, jedoch stand mir auch hier mein Verhalten und allen voran mein Drogenkonsum im Weg.
Ich versemmelte so ziemlich alles, was man versemmeln konnte und landete als letzte Instanz in einer Krisenwohnung, von einer der hiesigen psychosozialen Einrichtungen.
Dort lebte ich mit einer akut psychotischen Frau, welche mich regelmäßig in den Wahnsinn trieb.


In der Zwischenzeit war ich auf den Trichter gekommen, dass der Konsum chemischer Substanzen vielleicht doch nicht mehr so geil ist und meine daraus resultierende Depression damit auch nicht besser werden würde.
Ich wollte weniger nehmen und fing das erste Mal automatisch an mehr zu trinken. Das ging einige Wochen so, bis ich meine erste Panikattacke hatte. Spätestens ab da, hatte ich genug.
Es konnte so nicht weitergehen, also begab ich mich auf Entgiftung. Und wurde direkt zum Drehtürpatienten.
Der Sinn einer Entgiftung ist natürlich, dort sauber zu werden.
Tja, was soll ich sagen.
Ich lernte mal wieder deutlich ältere Männer kennen und ließ mich von deren Konsum und Lifestyle beeindrucken. 
So machte ich dann mit 20 und noch während meiner zweiten Entgiftung, Erfahrungen mit Opioiden.
Die nächste Sucht entwickelte sich und ich verlor auch noch den letzten Rest, der mir Halt gab. Fortan war ich ganz ohne festen Wohnsitz und ohne finanzielle Mittel.
Mit 21 wollte ich es nochmal mit einem stationären Entzug versuchen.
Wie so oft, traf ich dort gleichgesinnte und ließ mich nochmal eine Stufe weiter einstürzen.
Lange Rede, kurzer Sinn: ich landete beim Heroin und auf der Straße.
Also folgten noch einmal ein paar Monate voller Stress, Gewalt, Beschaffungskriminalität und plump gesagt, dem Kampf ums Überleben.


Am 7.8.2013 wurde ich schließlich verhaftet.
Gott sei dank, wie ich heute nur sagen kann.
Denn ab da, begann ein Teil eines neuen Lebens.



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