Mein erster Suchtdruck - Danke, Tante Chrissi.


Mein erster Suchtdruck


Wie habe ich meinen ersten Suchtdruck erlebt? Was hat ihn ausgelöst?


Ich war 17. Und seit gut 5 Wochen auf Methamphetamin. Crystal. Wollte ich irgendwie schon immer mal ausprobieren. Und dann bot sich eine spontane Möglichkeit...


Meine Mutter sagte damals öfter Wenn du einmal Drogen nimmst, bist du sofort abhängig!

Pff, was für ein Schwachsinn, dachte ich.

Das hätte ich ja wohl bisher bemerken müssen, wenn dem so wäre.

Schließlich hatte ich ja bereits einiges an Substanzen ausprobiert.

Mir war wohl bewusst, dass ich Drogen auch schon mal zur Problembewältigung missbraucht hatte.

Aber abhängig sein? Suchtdruck haben? So etwas war mir, bewusst zumindest, fremd.


Wie kam es nun dazu, dass ich meinen ersten Suchtdruck hatte? Und wie bemerkte ich dies?

Ich war nun, wie gesagt, ca. 5 Wochen auf Crystal gewesen.

Der Konsum fand zwar nicht täglich statt aber ich war ordentlich auf Zündung.

Ostern 2009 standen zwei Festivals in Holland an. Zu solchen Events bin ich früher teilweise fast wöchentlich gefahren.
(Zu bemerken sei an der Stelle, dass ich nicht an der Grenze oder sonst irgendwie nah wohnte. Ich nahm also mehrmals im Monat Bus- oder Zugstrecken von mehreren 100km auf mich, um feiern zu gehen.)

2009 standen Ostersonntag und Ostermontag auf dem Plan zum feiern gehen.

Da ich vor Ostersonntag schon länger wach war, verschlief ich die erste Party prompt.

Am nächsten Tag, war ich wieder halbwegs fit und machte mich auf den Weg zur nächsten Party.

Zu diesem Zeitpunkt, hatte ich einen Freund aus Wolfsburg, vom dem ich mein Zeug auch immer bekam. Es war schon ein paar Tage komisch zwischen uns und ich spürte deutlich, dass wir uns vermutlich zum letzten Mal sehen würde, würde ich nun auf diese Party am Ostermontag gehen.

Ich sollte tatsächlich recht behalten.


Der Kontakt brach abrupt ab – ganz zu meinem Glück. Dieser Mensch stürzte innerhalb eines halben Jahres so sehr ab, dass ich ihn kaum noch wieder erkannte – es sprach quasi nur noch das Zeug aus ihm.

Das Gute für mich an der Sache war, ich hatte keinen Zugang mehr zu Crystal.

Das weniger Gute daran war, dass ich plötzlich komische, neue Gefühlszustände an mir wahrnahm.

Ich war schon immer leicht von Impulsen und Emotionen gestört aber... diese Zeit danach.

Das war irgendwie neu. Und ziemlich unangenehm.

Ich bemerkte, wie ich wahnsinnig unruhig wurde, meine Schlafstörungen nahmen zu, ich war nur noch angespannt.

In meinem Hirn war alles durcheinander, ein einziges Buchstabenchaos.

Und plötzlich war da dieses unfassbar heftige Verlangen. Verlangen nach Crystal.

In meinem Kopf drehte sich alles.

Ich war so eingenommen, von dem Gedanken daran, ich kann das kaum in Worte fassen.

„Die Tante“, wie wir Meth damals nannten, fehlte mir. So sehr. Und ich wollte SIE. SO. UNBEDINGT.


Zum ersten Mal dachte ich daran, dass meine Mutter vielleicht Recht gehabt haben könnte. Das man eben doch von einem einmaligen Konsum abhängig werden kann.

Ich wusste mir kaum zu helfen. Ich rief mir gedanklich immer wieder Erinnerung an das krasse Gefühl auf, was ich diese 5 Wochen lang empfunden hatte, versuchte es zu rekonstruieren.

Ich bekam es einfach nicht mehr aus meinem Kopf.


Ich erinnere mich noch, wie übertrieben euphorisch ich wurde, als während einer Fahrt zu einer Party, jemand im Bus war, der Crystal dabei hatte. In unseren Kreisen war Emma (MDMA) eher das bevorzugte Mittel der Wahl. Crystal war allen wohl etwas zu doll und generell auch noch nicht so einfach zu haben. Zumindest in unserem Bundesland.

Also sprang ich freudig auf, drückte diesem Menschen fast ein ganzes Gramm MDMA in die Hand und bekam dafür seinen letzten Rest Crystal.

Das war es mir wert.



Fakt ist, es hat mich fast ein Jahr gekostet, dieses starke Verlangen aus meinem Kopf zu bekommen.

Wie ich es geschafft habe, dass loszuwerden? Ich weiss es nicht. Ich glaube, mein Glück war, dass ich diese Kontakte  einfach nicht hatte.

Wieso ich den Kontakt zu meinem Ex nicht wieder auflodern lies, um mir den Stoff zu besorgen?
Daran kann ich mich nicht mehr erinnern. Vielleicht habe ich es sogar mal versucht.

Keine Ahnung.

Ich weiss nur noch, dass wir uns nach unserer „Trennung“ noch einmal zu Weihnachten durch Zufall auf einer Party wiedertrafen.

Hallelujah – das war alles andere als feierlich.

Plötzlich ergab alles Sinn. Ich ließ all seine damals getroffenen Aussagen und Handlungen noch einmal Revue passieren. Dabei wurde mir bewusst, dass das alles gar nicht Er war.

Die Tante hatte ihn vollends eingenommen. Sie sprach förmlich aus ihm.

Zu diesem Zeitpunkt, war er wohl schon länger dabei, sich das Zeug selbst herzustellen.

Ich muss noch heute an diesen Augenblick denken, an dem ich ihn das letzte Mal gesehen habe, wenn ich manchmal noch darüber nachdenke, ob Crystal für mich jemals wieder in Frage gekommen wäre.

Abschreckend war ER alle male.


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